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Mittwoch, 9. August 2017

6. August 2017: Andesqui - Chapelco – und eine Entscheidung

San Martin de los Andes
San Martin de los Andes

Der heutige Tag beginnt nass-kalt: Es regnet (schon die ganze Nacht hindurch) und aus der Dusche kommt auch kein warmes Wasser. Chappeau für den, der trotzdem duscht (ich bin’s nicht). Wir fahren ins Zentrum von San Martin de los Andes an den See und nehmen dort Frühstück ein. Zur Auswahl gibt’s Kaffee und Orangensaft mit wahlweise einem, zwei oder drei süssen Croissants oder Tostadas – bei aller Fantasielosigkeit kommt das dennoch richtig und bei genauerem Hinsehen ist das Frühstück in Frankreich ja auch nicht variabler. 









Der Weg nach Chapelco, dem Skigebiet von San Martin de los Andes dauert rund 30 Minuten. In der Base angekommen schneeregnet es leicht, es sieht auch nicht so aus, als sei der Niederschlag in der Nacht als Schnee heruntergekommen. Von der Base führen eine Gondelbahn und eine Kette von zwei Sesselliften auf das kleine Plateau von Antuluquen, von wo wiederum zwei Lifte eine Etage weiter hinauf führen wo dann die höchstgelegenen Lifte oberalb der Waldgrenze beginnen. Was nach viel tönt ist es in Wirklichkeit nicht: Die mittlere Etage ist kurz und der im Pistenplan wahnsinnig lang eingezeichnete erste Stock ist vor allem eines: flach. Interessant wird es an den drei obersten Liften Silla del Mallin, Silla del Mocho, und Poma del Fillo, die – so sieht es zumindest im dichten Nebel von heute aus – durchwegs kurze aber anspruchsvolle Abfahrten bedienen. (An eine Sicht in die Back Bowls, die es hier ebenfalls haben soll, ist überhaupt nicht zu denken). Dort im Nebel ist der Schnee auch pulvrig-weich (wenn sich nicht gerade eine Eisplatte darunter befand), ab Antuluquen wässrig-weich. Das Telemarken macht heute auf allen Unterlagen grossen Spass. Eine Steigerung zu gestern war aber auch nicht gerade schwierig. So bleibt Chapelco in positiver Erinnerung.









Beschwingt fahren wir zum Auto und mit dem die wunderschöne Route der sieben Seen (7 Lagos, die alle fjordmässig in den Bergen liegen – einfach 800 Meter über Meereshöhe) bis zum atemberaubenden Nahuel Huapi, der uns euphorisch werden lässt: dies ist das traumhafte Patagonien und wir sind hier! Kaum überqueren wir die Grenze von Neuquen zur Provinz Rio Negro weicht die Euphorie schlagartig der Ernüchterung: Auf weit weniger als 10 Kilometern finden 4 (!) Polizeikontrollen statt, bei allen werden Autos rausgewunken und kontrolliert: zwei von der lokalen Polizei, eine von der Polizei der Provinz Rio Negro und eine von der Bundespolizei. An Letzterer wurden wir dann einer genaueren Kontrolle unterzogen (mit einem Polizisten mit der Hand an der Pistole vor dem Auto, während zwei weitere Polizisten hinter dem Auto unsere Pässe abzeichneten), was uns zur Entscheidung brachte: Wir brechen unsere Argentinien-Reise übermorgen ab und fahren zurück nach Chile – trotz fehlender Skigebiete und besseren Wetters hier in Arg. Diese permanenten Kontrollen rauben uns den letzten Spass am Reisen, das geben wir uns nicht. Argentinien hat auf 2017 die Mehrwertsteuer auf Übernachtungskosten für Touristen gestrichen in der Hoffnung, den Tourismus anzukurbeln. Wir empfehlen andere Massnahmen. 

Chapelco (10):
Gondel: Telecabina
Sessel: Silla Graeff, Silla Doble 63, Silla del Mocho, Silla del Mallin, Silla Rancho Grande, Silla Villa Mahuida
Skilift: Lift del Puente, T-Bar del Palito, Poma del Filo

5. August 2017: Andesqui – Caviahue


Ok, ein bisschen Farbe hat Chos Malal auch

Chos Malal ist eine gute Zwischenstation auf der Ruta 40 nach Süden - und um ehrlich zu sein auch die einzige weit und breit. Der Himmel ist grau, als wir ins Auto steigen und durch ein ebenfalls graues Chos Malal (ob argentinische Dörfer etwas farbiger sind wenn der Sonne scheint?) wieder auf die Ruta 40 einbiegen. Eine weitere Etappe durch die Pampa steht an: Erst 180 Kilometer gegen Süden nach Las Lajas, dann wieder 100 Kilometer in den Norden an den Fuss des Vulkans Caviahue, wo sich das gleichnamige Städtchen und Skigebiet befinden. Und dann 450km bis in unser geplantes Nachtquartier.



Unterdessen hat Schneefall eingesetzt. Unter normalen Umständen verfechte ich die Meinung, dass Schnee alles schöner macht und die Scheusslichkeiten verdeckt - in Caviahue bin ich mir nicht sicher oder anders: Der gefallene Schnee reicht dafür hinten und vorne nicht aus: Halbfertige Häuser stehen neben verlassenen und verfallenen Gemäuern - es sieht wirklich nicht so aus, als würde sich die Ortschaft um den Wakkerpreis bemühen.

Die Strasse zum Skigebiet etwas ausserhalb der Ortschaft führt durch eine leicht steilere Passage, an der sich dann prompt das erste argentinische Kettendrama abspielt! Die Gauchos, die vor ihren dicken Pick Ups stehen, lachen über den Touristen (?), der quer in der Strasse hängt und nur mit Mühe wieder rückwärts in die Fläche zurück fährt. Wir beobachten beide Seiten, Gauchos und Touristen. Warum ich dieser Szene so viel Platz einräume?

Caviahue hat auch ein Skigebiet, das zu zwei Dritteln geschlossen ist. Und das offene Drittel führt durch schöne Bäume.








Wir verlassen den Ort und die Berge und fahren durch flache Pampa über Zapala, Junin de los Andes (1 Polizeikontrolle, durchgewunken) nach San Martin de los Andes, einem der bedeutendsten touristischen Zentren in den argentinischen Anden. Es regnet.






Lifte Caviahue (2)
Sessellift: De Las Liebres I
Skilift: Ardittla


4. August 2017: Andesqui - Las Lenas - WIR SIND 500!



Da die Etappen so lange dauerten komme ich erst jetzt dazu nachzuarbeiten. Und da das WiFi in Bariloche lahmte und wir hier in Entre Lagos grad gar keinen Strom hatten verzögert sich das alles.

Die Finca in Eugenio Bustos hielt was sie versprach, auch während des Frühstücks und dem um 45 Minuten verspäteten Bezahlen der Rechnung, weil die sehr nette aber einzige zur Rechnungsstellung befähigte Dame eine entsprechende Verspätung hatte –– sie entschuldigte sich damit, auf dem Weg von Mendoza einen „incident“ gehabt zu haben – etwa derselbe Polizist? Wir fahren mit einem Malbec-Weingeschenk im Kofferraum und der entsprechenden Verspätung los. Nach Eugenios Bustos beginnt die Pampa, eine Steppe mit Null Einwohnern. Wir verfahren uns zu allem Übel – wie sich im nachhinein herausstellt – gleich zweimal: Zuerst schickt uns das Navi nach San Rafael statt die und dann über eine staubige Strasse durch eine Müllhalde (Wer hat 2666 gelesen? So stelle ich mir das in Santa Cruz vor) und als Höhepunkt will es uns durch einen Fluss (!) schicken. Trotz aller argentinischer Obrigkeitshörigkeit, die wir uns bereits angeeignet haben, meutern wir und drehen um. Irgendwie finden wir dann den asphaltierten Weg über eine richtige Brücke und fahren in Richtung Las Leñas vorbei an einer mobilen Polizeikontrolle nach San Rafael und einer fest installierten Polizeikontrolle in El Sosneado, die von uns wissen will wo wir hinfahren. Las Leñas. Wir dürfen gnädigerweise. Diese Kontrollen verderben uns ziemlich die Laune, so dass wir die Fahrt durch das wunderschöne Tal nach Las Leñas (mit einer unbemannten Kontrollstation in Los Molles und das ist wirklich am Arsch der Welt und einer Kettenkontrollstation, die mangels Schnee auch leer ist etwa 2 Kilometer weiter) gar nicht richtig geniessen können. Hoffe die Bilder lassen uns das nachholen. 


Von links würden Off-Piste Varianten herunterführen.
Las Leñas selbst besteht aus einem Dutzend gleichartiger (armeemässiger) Gebäude. Die Base des Skigebiets ist ziemlich gross und bietet alle Schikanen (unter anderem muss ich zur Bezahlung des Skipasses zusätzlich zum PIN-Code eine Unterschrift und meine Passnummer angeben).

Las Leñas ist das 500. Gebiet meiner Boucle und so ganz möchte ich mir die Feierlaune dann doch nicht verderben lassen. Das Skigebiet besteht aus drei Teilen:
  • Einem Anfängergebiet gleich bei der Base.
  • Einer Vorderseite, auf der ein halbes Dutzend Lifte die breiten Hänge erschliessen.
  • Einer Hinterseite, die durch eine Liftkette mit 4 Liften zuerst durch ein Tal, dann steil über Felsen bis auf 3400m erschlossen wird. Von dort oben führen eine lange Abfahrtspiste mit 1200 Höhenmetern und bei guten Schneebedingungen zahllose Off-Piste-Varianten hinunter – wirklich beeindruckend, das hätte ich nicht erwartet.
So komme ich zum Schluss, dass Las Leñas ein würdiger Träger der Jubiläumsnummer ist, ein tolles Skigebiet mit vielen Varianten, wenn denn mehr Schnee liegen würde.






Mit einiger Verspätung auf die Marschtabelle fahren wir los – vor uns liegen 5 Stunden Fahrt auf der Ruta 40, und es zeigt sich, dass wir gleich ziemlich viele der berüchtigten Gravel-Kilometer fahren dürfen, wahrscheinlich sind es ca. 100 Kilometer durch einsamste Gegenden, vorbei an einer Handvoll Hütten, die kaum Infrastruktur zu haben scheinen. Eine solche Armut sind wir uns nicht gewöhnt. Ein Gefühl von Dekadenz beschleicht uns und kämpft mit der Panik, es nicht aus dieser Wüste ins Hotel zu schaffen um Vorherrschaft. Letztere siegt (jeder ist sich selbst blabla) und wird wiederum von der Erleichterung geschlagen, die uns einnimmt, als wir doch noch eine offene Tür in unserem Apart-Motel in Chos Malal vorfinden.









Las Leñas Lifte (7)
Sessel: Vesta, Vulcano, Caris, Neptuno, Marte
Skilifte: Minerva I, Venus II